UNSER PÄDAGOGISCHES PROGRAMM

 

Man erreicht mehr mit
einem freundlichen Blick,
mit einem Wort der Ermutigung,
das Vertrauen einflösst,
als mit vielen Vorwürfen.

Don Bosco

 

Unser pädagogisches Programm stützt sich neben den Erkenntnissen der modernen Psychologie und Pädagogik auf das Erziehungskonzept des Priesters Don Bosco. Er lebte von 1815-1888 und wirkte in Turin, indem er sich um Jugendliche aus der "Gosse" annahm, ihnen Lehrer und Vater war, sowie Arbeit und Heim gab.

Im Mittelpunkt des erzieherischen Geschehens steht der Jugendliche als Gesamtpersönlichkeit mit seinen Bedürfnissen und Interessen sowie Möglichkeiten und Grenzen in den Zielbereichen:

1. Ausbildung in der Schule

  • Erlernen selbständigen und eigenverantwortlichen Arbeitens
  • Motivationsförderung (Ansporn und Zuspruch)
  • Stärkung bei Misserfolg
  • Hilfe zum Schulabschluss (Lernzeiten, Vermittlung von und Information über Nachhilfeangebote)

2. Persönlichkeitsbildung

  • Reifung zur Freiheit und Übernahme eigener persönlicher und sozialer Verantwortung
  • Entwicklung eigener Identität in Selbstvertrauen und -sicherheit
  • Entwicklung eines aktiven und kritischen Verhaltens gegenüber dem Zeitgeschehen und der Tradition
  • Positiver Werteaufbau und Fähigkeit, persönliche Entscheidungen zu treffen
  • Entwicklung der Kreativität
  • Planung beruflicher Zukunft

3. Soziale Bildung

  • Offenheit für die Welt und die Bedürfnisse anderer
  • Fähigkeit für ein gutes Zusammenleben in der Gemeinschaft
  • Positive Konfliktlösung
  • Engagement für Menschen in Schwierigkeiten
  • Verstehen- und Schätzenlernen des Wertes der menschlichen Beziehung und Partnerschaft

4. Religöse Bildung

  • Orientierung an humanistische Grundwerte
  • Hinführung zur Eigenentscheidung für einen religiösen Lebensweg
  • Erleben des gemeinsamen Glaubens durch Gespräche sowie wöchentliche Messen in der hauseigenen Kapelle
  • gemeinsame und persönliche Sinnsuche


Diese Ziele sollen nach folgenden Prinzipien verwirklicht werden:

A) Liebenswürdigkeit

  • im herzlichen Umgang mit den Jugendlichen
  • im "Mit-den-jungen Menschen-Sein" der ErzieherInnen = Assistenz
  • im Vorbild der Erziehergemeinschaft

B) Vernunft

  • Begründete und einsichtige Förderung, Grenzen und Erziehungsmaßnahmen
  • Offenheit für wirkliche Probleme der Jugendlichen
  • Verständnisvolle Kommunikationsebene
  • ständige Reflexion des Erziehungsgeschehens

C) Religion

  • Ungekürztes religiöses Angebot mit demselben Engagement wie für die Durchführung von Spielen, Festen usw.
  • Gesamtklima christlicher Erziehung


Merkmale der Methode Don Boscos

A) Familiengeist

  • Das Verhältnis ErzieherInnen - Jugendliche ist nicht autoritär, sonder partnerschaftlich auf Vertrauen aufgebaut.
  • In Konfliktsituationen sich miteinander positiv "streiten" können, sich für die eigene Meinung einsetzen, ohne den anderen als Person in Frage zu stellen oder abzuqualifizieren.
  • Funktionale Dimension der Erziehung: Jugendliche eignen sich Kenntnisse und Werthaltungen mehr durch das Mitleben an.

B) Atmosphäre/Klima des Frohsinns

  • Der/Die Erzieher/in versucht, Frohsinn und Freude zu induzieren.
  • Den Jugendlichen Übermut interpretiert er/sie positiv und greift ihn auf.
  • Er/Sie gibt positives Feedback, um Angenommensein, Wertschätzung, Mut und Zuversicht zu vertiefen.
  • Der/Die Erzieher/in versucht, Langeweile und Destruktionstendenzen durch stets neue "Einfälle" zuvorzukommen.
  • Er/Sie weiß, dass Ausfälligkeiten weniger seiner/ihrer Person gelten und vielmehr hilfloser Ausdruck momentaner Frustration sind. Daher läßt er/sie sich auf keinen Zweikampf ein, sondern ist behilflich, einen neuen Anfang zu finden.
  • Die Erzieher/in helfen bei der Bewältigung von Misserfolg und sozialen Beziehungen.
  • Freizeit und Feste geben besondere Möglichkeit, Freude zu erleben.

C) Assistenz
Assistenz meint das ständige begleitende Dabeisein, nicht um Jugendliche zu gängeln oder zu kontrollieren, sondern:

  • DA-SEIN inmitten der Jugendlichen. Teilhaben an ihren Interessen und Plänen, Mitleben ihrer Freuden und Nöte.
  • DA-SEIN für die Jugend. Der/Die Erzieher/in vermittelt Sicherheit und hilft zur ICH-Stärkung.
  • DA-SEIN mit den Jugendlichen. Begleitung, gemeinsame Wertentdeckung und Sinnsuche.
  • DA-SEIN mit Hilfe der Jugend. Dienste und Aufgaben für andere übernehmen.  

D) Vorsorge

  • Pädagogik der Vorsorge setzt, voraus, dass der/die Erzieher/in den Jugendlichen kennt, seine Stärken und Schwächen, um Hinweise zu haben, ob und wie er/sie kritische Situationen bewältigen kann.
  • Er/sie gibt außerdem dem Jugendlichen das Gefühl, dass er/sie mit seinen/ihren Problemen nicht allein gelassen wird. 
  • Bei echten Gefahren ist erzieherisches Eingreifen möglich, ohne daß eigenes Bewähren eingeschränkt ist. 
  • Vorsorge bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe. 
  • Einübung in Leistungsbereitschaft im schulischen, beruflichen und sozialen Sinn. 
  • Einübung in die Auseinandersetzung mit Wertesystemen und Medien. 
  • Verständnis für die Ambivalenz des Jugendlichen, sich einerseits abzulösen, anderseits doch wieder beheimatet sein zu wollen. 

Führungs- und Leitungsstil
a) Mitbestimmung der Jugendlichen und Mitgestaltung am Heimleben.
b) Wecken und zur Wirkung bringen der schlummernden Kräfte
c) Echo geben auf Versuche und Erfolge des Alltags



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